Am heutigen Dienstag, dem 7. Juli, haben der luxemburgische Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen und der für Tierschutz zuständige Kommissar Oliver Varhelyi die neue europäische Strategie für die Tierhaltung sowie einen europäischen Protein-Plan vorgestellt.
Die Tierhaltungsstrategie soll die EU auf Kurs für ihr Klimaziel 2050 halten, ohne die Tierbestände weiter zu reduzieren. Gleichzeitig soll sie den Tierschutz verbessern und die Reaktion auf Tierseuchen stärken, ohne Landwirtinnen und Landwirte mit zusätzlichen Kosten zu belasten. Zudem soll sie dem Rückgang der Tierhaltung in ländlichen Regionen entgegenwirken, ohne die Umweltanforderungen für den Sektor abzuschwächen. Zu den konkret vorgesehenen Maßnahmen gehört auch die schrittweise Abschaffung der Käfighaltung für sogenannte Nutztiere. Ende des Jahres soll zunächst ein Vorschlag für Legehennen und Hähnchen sowie für ein Verbot des Tötens männlicher Küken vorgelegt werden; im Frühjahr soll ein Vorschlag zur Käfighaltung von Schweinen folgen. Für andere Tierarten fehlen zeitliche Angaben.
Der Protein-Plan soll die EU unabhängiger von importierten Proteinen – insbesondere von Futtermitteln – machen, indem die heimische Produktion nachhaltiger Eiweißpflanzen ausgebaut und die gesamte Protein-Wertschöpfungskette, von Forschung und Innovation bis hin zur Nachfrage, gestärkt wird.
Tilly Metz, stellvertretendes Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, kommentiert zunächst die Tierhaltungsstrategie:
„Millionen von Bürgerinnen und Bürgern warten seit Jahren darauf, dass die Europäische Kommission den Forderungen der Europäischen Bürgerinitiative nachkommt und der Käfighaltung in der Tierhaltung ein Ende setzt. Dass die Kommission heute endlich einen konkreten Zeitplan vorstellt, wann die ersten Gesetzesvorschläge vorgelegt werden, ist nahezu historisch. Hier geht es nicht nur um Tierwohl, sondern auch um faire Wettbewerbsbedingungen für Landwirtinnen und Landwirte in ganz Europa.
Ich bin gespannt auf den ersten Vorschlag zur Haltung von Legehennen und Hähnchen, der bereits Ende des Jahres kommen soll. Damit folgt die EU dem luxemburgischen Beispiel und ermöglicht Legehennen endlich artgerechtere Haltungsbedingungen. Ich werde ein genaues Auge darauf haben, dass Vorschläge zu anderen Tierarten wie Hasen und Kälbern folgen werden.
Wenn wir am Klimaziel für 2050 festhalten und gleichzeitig Fortschritte für die öffentliche Gesundheit und die Umwelt erzielen wollen, ist eines klar: Es geht nicht ohne eine Reduktion der Tierhaltung in Europa und eine Verringerung des Konsums tierischer Produkte. Um Ernährungssicherheit langfristig zu gewährleisten, ist es entscheidend, Landwirtinnen und Landwirte bei der Diversifizierung ihrer Produktion zu unterstützen und gezielt Anreize für eine ausgewogenere Ernährung zu schaffen.“
Zum Protein-Plan äußert sie sich wie folgt:
„Jahrelang wurde Europas Abhängigkeit von importierten Proteinen – insbesondere für Tierfutter – als fachliches Problem und nicht als strategische Herausforderung betrachtet. Der Plan erkennt sie nun als das an, was sie ist: eine strategische Verwundbarkeit, die unmittelbar die Sicherheits- und Vorsorgeagenda betrifft.
Ich begrüße ausdrücklich, dass der Plan die Diversifizierung der Proteinquellen als Möglichkeit für Landwirtinnen und Landwirte anerkennt, neue Einkommensquellen zu erschließen und zur Hofnachfolge beizutragen. Positiv ist auch, dass er Landwirtinnen und Landwirte zu einer extensiveren Bewirtschaftung ermutigt und vielfältigere sowie ausgewogenere Ernährungsweisen einschließlich pflanzlicher Proteine unterstützt. Zudem empfiehlt der Plan den Einsatz verschiedener Instrumente zur Förderung der Nachfrage nach nachhaltigen Proteinquellen.
Gewünscht hätte ich mir jedoch konkretere finanzielle Zusagen, klarere Maßnahmen für innovative Proteine und einen stärkeren Fokus auf die Handelsdimension. Strategische Autonomie erfordert eine bessere Abstimmung zwischen dem Ausbau der heimischen Produktion und dem handelspolitischen Rahmen der EU.“